Print, Katalog & Editorial

Katalog planen: Was vor Gestaltung und Druck geklärt sein sollte

Ein Katalogprojekt wird teuer und langsam, wenn Struktur, Inhalte und Produktion erst während der Gestaltung geklärt werden. Wer vor dem ersten Layout einige Entscheidungen sauber trifft, bekommt bessere Offerten, weniger Korrekturschleifen und ein belastbareres Ergebnis.

Vitali Tcherednitchenko · Art Director, Vitali & Co.

Aktualisiert: 30. September 2026

Die kurze Antwort

Ein gutes Katalogbriefing klärt acht Punkte: Ziel, Zielgruppe, Produkt- und Inhaltsumfang, Quellen für Daten und Texte, vorhandenes oder neu zu produzierendes Bildmaterial, Sprachen, Format und Druckanforderungen sowie Termin und Freigaben.

Diese Entscheidungen müssen nicht bis ins Detail abgeschlossen sein. Sie müssen aber so weit stehen, dass Umfang, Zuständigkeiten und Produktionsweg erkennbar werden. Erst dann lassen sich Gestaltung, Redaktion, Bildproduktion und Druck seriös einschätzen.

Die acht Entscheidungen vor dem ersten Layout

01

Was soll der Katalog leisten?

Verkaufen, ein Sortiment erklären, Beratung unterstützen oder eine Marke inszenieren? Das Ziel bestimmt Informationsdichte, Dramaturgie und Form.

02

Für wen ist er gedacht?

Vertrieb, Fachpublikum, Handel oder Endkundschaft suchen anders. Zielgruppe und Nutzungssituation entscheiden über Navigation, Sprache und Detailtiefe.

03

Welche Produkte und Inhalte müssen hinein?

Sortiment, Kapitel, Prioritäten und Ausnahmen gehören vor dem Layout in eine belastbare Inhaltsstruktur.

04

Woher kommen Texte, Preise und technische Daten?

PIM, Excel, bestehende Dokumente oder mehrere Verantwortliche: Die Quelle und ihre Qualität bestimmen Aufbereitung und Korrekturaufwand.

05

Welches Bildmaterial existiert?

Freisteller, Anwendungsszenen und redaktionelle Bilder werden inventarisiert. Fehlende Motive brauchen ein Bildkonzept, Produktion und Freigabe.

06

Welche Sprachversionen sind nötig?

Sprachen, regionale Sortimente und Übersetzungsverantwortung beeinflussen Raster, Textlängen, Korrekturen und Produktionslogik.

07

Welche Form, Auflage und Verteilung sind geplant?

Format, Umfang, Papier, Bindung, Versand und Einsatzort bestimmen, was gestalterisch und produktionstechnisch sinnvoll ist.

08

Wer entscheidet intern und bis wann?

Eine klare Freigabestelle, konsolidierte Rückmeldungen und realistische Termine verhindern widersprüchliche Korrekturen.

Für eine erste Offerte reichen meist diese 6 Angaben

Ziel

Was soll der Katalog im Verkauf oder in der Kommunikation leisten?

Umfang

Ungefähre Seitenzahl oder Produktzahl und wichtigste Kapitel.

Inhalte

Welche Daten und Texte bestehen, in welcher Form und Qualität?

Bildstatus

Was ist vorhanden, was muss ausgewählt, bearbeitet oder produziert werden?

Sprachen

Welche Sprach- oder Marktversionen sind vorgesehen?

Termin

Wann muss der Katalog eingesetzt werden, und welche Freigaben liegen davor?

Was den Aufwand eines Katalogprojekts wirklich bestimmt

Die Seitenzahl allein sagt wenig aus. Achtzig ähnlich aufgebaute Produktseiten können planbarer sein als zwanzig Seiten mit stark unterschiedlichen Inhalten. Entscheidend sind Heterogenität, Tabellen und Spezifikationen, Produktvarianten, Bildbearbeitung, Datenqualität und die Zahl der Sprachversionen.

Hinzu kommen die Organisation des Projekts und die Produktion: Wie viele Personen geben Inhalte frei? Werden Rückmeldungen gebündelt? Sind Druck, Veredelung oder besondere Bindungen vorgesehen? Je später diese Fragen auftauchen, desto häufiger müssen bereits aufgebaute Seiten erneut angefasst werden. Eine pauschale CHF-Spanne ohne diese Grundlagen wäre nicht belastbar.

Was sollte die Agentur übernehmen – und was bleibt intern?

Die beste Aufteilung folgt der Verantwortung für Inhalt und Umsetzung, nicht einer starren Grenze.

Intern verantworten

  • Produktwahrheit und verbindliche Datenquelle
  • Prioritäten im Sortiment und geschäftliche Ziele
  • Konsolidierte Freigaben und Entscheide
  • Rechtliche oder regulatorische Prüfung, wo nötig

Atelier führen lassen

  • Struktur, Dramaturgie und Informationshierarchie
  • Art Direction, Raster und Layoutsystem
  • Bildkonzept und redaktionelle Auswahl
  • Satz, Adaptionen, Reinzeichnung und Produktionskoordination

Vom Inhalt zum Produktionssystem

Ein Katalog besteht nicht aus achtzig einzeln gestalteten Seiten. Er braucht ein System aus Raster, Hierarchie, Seitentypen, Inhaltsmodulen, Tabellenlogik, Bildrhythmus, Kapiteln und Paginierung. Dieses System macht unterschiedliche Inhalte vergleichbar und hält spätere Änderungen kontrollierbar.

Die Kataloggestaltung als Informations- und Produktionssystem beginnt deshalb mit repräsentativen Musterseiten: dichte und leichte Seiten, Kapitelauftakt, Produktdetail, Tabelle und Abschluss. Erst wenn diese Fälle tragen, wird der gesamte Umfang gesetzt. Bei grossen Sortimenten vertieft die Seite Produkt- und Verkaufskataloge die Daten- und Variantenlogik.

Wann der Druck bereits in der Konzeptphase mitgedacht werden muss

Format, Papier, Bindung und Seitenumfang hängen zusammen. Sie beeinflussen Raster, Rückenstärke, Bogenteilung und Gewicht. Beschnitt und Anschnitt bestimmen die technische Anlage; Veredelungen benötigen oft eigene Daten und zusätzliche Produktionsschritte.

Soll der Katalog verschickt oder verteilt werden, gehören Gewicht, Verpackung und Logistik ebenfalls in die frühe Planung. Die Begleitung der Printproduktion verhindert, dass ein fertiges Layout später wegen Papier, Bindung oder Versand neu gedacht werden muss.

Reale Editorial-Arbeiten

Struktur und Bildführung tragen die Publikation.

Zwei bestehende Arbeiten zeigen, wie inhaltsreiche Verkaufsmedien über Dramaturgie, Seitensystem und Produktion zusammengehalten werden.

Titelseite der Betty-Bossi-Weihnachtskampagne mit Weihnachtsgebäck

Betty Bossi · Weihnachtskampagne

Viele Themen, eine geführte Verkaufsdramaturgie.

Aufgabe
Food, Produkte und Non-Food in einer umfangreichen saisonalen Verkaufspublikation zusammenführen.
System
Eine wiederkehrende Dramaturgie aus Moment, Produkt, Anwendung und Angebot ordnet unterschiedliche Inhalte.
Umsetzung
Konzept, Creative Lead, Art Direction, Fotoshooting-Führung und Editorial-Umsetzung.
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Doppelseite des Betty-Bossi-Flyers Hallo Betty mit Buch und redaktionellen Inhalten

Betty Bossi · Hallo Betty

Premiere als redaktionelles Prinzip.

Aufgabe
Film, Kochbuch, Rezepte, Produkte und Angebote in einer grossvolumigen Publikation verbinden.
System
Das Premierenmotiv führt Cover, Bildwelt und Seitenabfolge; klare Module ordnen Produkte, QR-Codes und Inhalte.
Umsetzung
Konzept, Creative Lead, Fotoshooting-Führung und vollständige grafische Umsetzung.
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Fragen zur Katalogplanung

Wann sollte die Gestaltung beginnen?

Wenn Ziel, Inhaltsstruktur, Datenquellen, Bildstatus, Sprachen und ein realistischer Produktionsrahmen geklärt sind. Einzelne Inhalte dürfen noch offen sein, ihr Umfang und ihre Verantwortung jedoch nicht.

Müssen alle Texte und Bilder vor dem ersten Layout fertig sein?

Nein. Für das Layoutsystem braucht es aber repräsentative reale Inhalte, darunter die längsten Texte, dichtesten Tabellen und schwierigsten Bildsituationen.

Wer koordiniert Druck und Weiterverarbeitung?

Das kann intern oder durch das Atelier erfolgen. Entscheidend ist, dass Format, Papier, Bindung und Termine vor der finalen Gestaltung abgestimmt sind.

Katalogprojekt geplant?

Umfang und Produktionsweg zuerst klären.

Wenn Produktzahl, vorhandene Inhalte und Termin ungefähr feststehen, können wir den sinnvollen Seiten- und Produktionsaufbau gemeinsam einordnen.