Print, Katalog & Editorial

Kataloge für mehrere Sprachen und Märkte gestalten

Kataloge für mehrere Sprachen und Märkte gelingen nur, wenn das Layout von Anfang an auf Textexpansion, unterschiedliche Sortimente und länderspezifische Angaben ausgelegt ist. Wer Raster, Ebenenstruktur und Übersetzungsablauf früh definiert, spart in der Produktion mehrerer Sprachversionen erheblichen Korrektur- und Reinzeichnungsaufwand und vermeidet inkonsistente Ausgaben zwischen den Märkten.

Textlängen und Sprachexpansion einplanen

Ein deutscher Ausgangstext ist selten so lang wie seine Übersetzung. Sprachen wie Deutsch oder Finnisch benötigen häufig mehr Zeichen als Englisch, während romanische Sprachen wie Französisch oder Italienisch ebenfalls spürbar expandieren können, teils um zwanzig bis dreissig Prozent gegenüber dem Original.

Wird ein Layout eng an einer einzigen Ausgangssprache ausgerichtet, brechen Textboxen in anderen Sprachversionen häufig um oder Überschriften laufen aus dem vorgesehenen Bereich. Diese Erfahrung sollte bereits im ersten Entwurf einfliessen, nicht erst nach der ersten Übersetzung sichtbar werden.

Raster mit Reserve gestalten

Ein belastbares Rastersystem für mehrsprachige Kataloge arbeitet mit grosszügigeren Weissraumreserven um Textfelder sowie mit flexiblen, nicht bis an den Rand ausgereizten Spaltenbreiten. So bleibt Spielraum, wenn eine Sprachversion mehr Platz beansprucht als eine andere.

Sinnvoll ist zudem, Schriftgrössen und Zeilenabstände nicht als starre Fixwerte, sondern als sprachabhängig leicht anpassbare Parameter zu behandeln. Eine minimal kleinere Schrift in einer expansiven Sprache fällt kaum auf, verhindert aber Umbruchprobleme zuverlässig.

Trennregeln, Masse und Einheiten

Silbentrennung folgt in jeder Sprache eigenen Regeln, und automatische Trennprogramme liefern nicht immer korrekte Ergebnisse. Bei mehrsprachigen Dokumenten muss die Spracheinstellung pro Textabschnitt korrekt gesetzt sein, damit Trennung und Anführungszeichen automatisch stimmen.

Auch Masseinheiten, Dezimaltrennzeichen und Datumsformate unterscheiden sich zwischen Märkten. Ein Komma als Dezimaltrennzeichen in einer Sprachversion und ein Punkt in einer anderen sind keine Stilfrage, sondern folgen den jeweiligen landesüblichen Konventionen und sollten konsequent angewendet werden.

Preis- und Sortimentsunterschiede berücksichtigen

Kataloge für mehrere Märkte enthalten oft nicht identische Sortimente. Manche Produkte sind nur in bestimmten Ländern erhältlich, Preise unterscheiden sich nach Währung und Steuersystem, und Verpackungsgrössen können variieren. Diese Unterschiede müssen in der Datenstruktur hinterlegt sein, damit sie sich nicht manuell in jeder Sprachversion einzeln nachpflegen lassen.

Wird mit einer strukturierten Datenquelle gearbeitet, die pro Markt gültige Produkte, Preise und Einheiten ausweist, lässt sich die Katalogerstellung weitgehend regelbasiert steuern, was die Fehleranfälligkeit bei manuellen Anpassungen deutlich reduziert.

Begriffe der Sprachversionierung

Sprachversion

Vollständig eigenständige Ausgabe eines Dokuments in einer Sprache, mit eigenem Text, eigenen Umbrüchen und gegebenenfalls eigenen Bildern.

Ebenenlogik

Struktur, bei der sprachspezifische Inhalte auf getrennten Ebenen einer gemeinsamen Layoutdatei liegen, um Formatierung zentral zu pflegen.

Reinzeichnung

Finale, druckfertige Bearbeitung einer Sprachversion nach Abschluss der Übersetzung und Korrektur.

Preflight

Technische Prüfung einer Druckdatei auf Vollständigkeit und Fehlerfreiheit vor der Übergabe an die Druckerei.

Vom Ausgangstext zur druckfertigen Sprachversion

Ein klar strukturierter Ablauf verhindert, dass sich Fehler über mehrere Sprachversionen hinweg wiederholen.

01

Ausgangstext finalisieren

Den Basistext vor Übersetzungsbeginn inhaltlich abschliessen, da spätere Änderungen sich in jeder Sprache wiederholen müssen.

02

Übersetzung beauftragen

Fachlich passende Übersetzung mit Kontext und Glossar beauftragen, um Terminologie konsistent zu halten.

03

Layout einsetzen und prüfen

Übersetzten Text ins bestehende Rastersystem einsetzen und auf Umbrüche, Silbentrennung und Weissraum prüfen.

04

Fachliche Korrektur durchführen

Muttersprachliche Kontrolle auf Richtigkeit, Ton und länderspezifische Angaben wie Masseinheiten oder Preise.

05

Reinzeichnung und Preflight abschliessen

Jede Sprachversion einzeln auf Schriften, Verlinkungen und Vollständigkeit prüfen, bevor sie zur Druckerei geht.

Ebenen- und Dateilogik

Für mehrsprachige Layouts hat sich eine Struktur bewährt, bei der ein gemeinsames Basisdokument existiert und sprachspezifische Texte auf getrennten, ein- und ausblendbaren Ebenen liegen. Das erleichtert es, Layoutänderungen zentral vorzunehmen, ohne jede Sprachversion einzeln nachführen zu müssen.

Bei stark abweichenden Sortimenten oder Seitenzahlen zwischen Märkten kann es sinnvoller sein, mit eigenständigen Dateien pro Sprachversion zu arbeiten, die aus einer gemeinsamen Vorlage abgeleitet werden. Welche Variante passt, hängt von der Anzahl Sprachen und dem Grad der inhaltlichen Abweichung ab.

Beispiel

Typische Aufgabenstellung: Katalog für mehrere Märkte

Zur Veranschaulichung: Ein Katalog erscheint für drei Märkte mit teils unterschiedlichem Sortiment und eigenen Preisen. In der Praxis würde man zunächst prüfen, wie viele Seiten sich zwischen den Märkten unterscheiden, und danach entscheiden, ob eine gemeinsame Ebenenstruktur ausreicht oder separate Dateien je Markt sinnvoller sind, um Reinzeichnung und Preflight sauber getrennt durchführen zu können.

Reinzeichnung und Preflight pro Sprachversion

Jede Sprachversion muss einzeln reingezeichnet und geprüft werden, auch wenn sie aus derselben Vorlage stammt. Fehlende Schriftschnitte für Sonderzeichen, falsch verknüpfte Bilder oder übersehene Restfragmente aus einer anderen Sprache sind typische Fehlerquellen, die erst bei genauer Einzelprüfung auffallen.

Ein Preflight vor der Druckübergabe sollte pro Sprachversion Beschnitt, Schriftverlinkung, Bildauflösung und Farbräume prüfen. Wird dieser Schritt für jede Version einzeln durchgeführt, lassen sich Fehler erkennen, bevor sie in die Auflage gelangen.

Häufige Fragen

Wie viel zusätzlicher Platz sollte für Sprachexpansion eingeplant werden?

Als grobe Orientierung eine Reserve von rund zwanzig bis dreissig Prozent bei Textfeldern, abhängig von den beteiligten Sprachen.

Lohnt sich eine gemeinsame Datei für alle Sprachen?

Bei ähnlichem Umfang und Sortiment ja, bei stark abweichenden Seitenzahlen sind separate, aus einer Vorlage abgeleitete Dateien oft praktikabler.

Wer sollte die Korrektur der übersetzten Texte übernehmen?

Muttersprachliche Fachpersonen, die sowohl den Inhalt als auch länderspezifische Angaben wie Masse und Preise beurteilen können.

Wie geht man mit unterschiedlichen Sortimenten pro Markt um?

Über eine strukturierte Datenquelle, die pro Markt gültige Produkte und Preise ausweist, statt manueller Anpassung in jeder Version.

Warum reicht ein einziger Preflight für alle Sprachversionen nicht?

Weil sich Fehler wie falsch verknüpfte Schriften oder Textreste einer anderen Sprache nur bei individueller Prüfung jeder Version zeigen.

Nächster Schritt

Ein Projekt gestalterisch weiterbringen?

Wir besprechen Ausgangslage, Ziele und Produktionsweg – und entwickeln daraus ein klares Vorgehen. Ein erstes Gespräch ist unverbindlich.